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Besuch aus Burkina Faso

Die Fastenaktion von Misereor ist immer noch aktuell


Besuch aus Burkina Faso

„Die Welt ist voller guter Ideen. Lass sie wachsen.“ – so lautet das diesjährige Motto der Misereor-Fastenaktion. Um uns, die Schü­ler­innen und Schüler der katholischen und evangelischen Grundkurse Religion und eine Gruppe von Schülerinnen der neunten Klasse, darüber zu informieren, besuchte uns am Montag, dem 27.03.2017, der Landwirt und Milchproduzent Adama Ibrahim Diallo aus Burkina Faso. Er arbeitet seit 25 Jahren für Misereor, das größte katholische Hilfswerk der Welt, und ihre Partnerorganisation PASMEP. Da er nur französisch spricht, wurde sein Vortrag von einer Dolmetscherin für uns übersetzt.

Herr Diallo erklärte uns, die diesjährige Misereor-Aktion solle uns alle darauf hinweisen, dass wir zwar ver­schie­de­ne Blickwinkel haben, aber trotzdem friedlich miteinander leben sollen, indem wir alle von­einan­der lernen. Dies verdeutlichte er uns nochmal mit einem kleinen Versuch: Wir sollten uns alle hinstellen, den Arm gerade nach oben strecken und den Zeigefinger im Uhrzeigersinn kreisen lassen und dabei den Arm bis auf Brusthöhe heruntersinken lassen und den Finger trotzdem immer weiterdrehen und von oben darauf schauen. Nun drehte sich der Finger plötzlich aus „unserem Blickwinkel“ in die entgegengesetzte Richtung.

Besuch aus Burkina Faso

 

Zu Beginn seines Vortrags erzählte er von der aktuellen Situation rund um sein Heimatland und wie die Menschen sich in den letzten Jahren weiterentwickelt haben. Sein Volk ist ein ehemaliger Nomadenstamm, der viele Jahre lang immer wieder der Regenzeit hinterher zog, um seine Herden mit Futter zu versorgen, denn diese bildeten für die Menschen eine Absicherung für ihr Leben. Mit den Jahren entwickelte sich unter dem Volk der Wunsch nach Sesshaftigkeit, welche aktuell auch zum großen Teil vollzogen wurde.

Burkina Faso ist ein Binnenland, welches unter anderem an Mali, Ghana und die Elfenbeinküste grenzt, über 80 % der Bevölkerung lebt auf dem Land. Die Menschen dort leiden oft unter dem verschiedenen und immer wieder wechselnden Klima, versuchen aber trotzdem durch neue Ideen eine Lösung zu finden, in ihrem Land leben und überleben zu können, ohne ständig umherziehen zu müssen.

Die große Einnahmequelle der Menschen aus Burkina Faso ist definitiv ihre Milchproduktion. Herr Diallo erzählte uns, dass die Kinder dort zur Geburt nicht wie wir ein Sparbuch angelegt bekommen, sondern als Geschenk eine Kuh erhalten. Diese Kuh bildet den ersten Meilenstein für ihre spätere Zukunft als Landwirte und Milchbauern.

Da die Milch aber schnell schlecht wurde und immer in große Städte gebracht werden musste, um sie schnell genug zu verkaufen, schaltete sich PASMEP, ein um den Bauern dort zu helfen. Die Frauen aus Burkina Faso sparten Geld und errichteten bis heute fast überall im Land kleine Minimolkereien, um die Milch weiterzuverarbeiten und in speziellen Kühlschränken haltbar zu machen. Herr Diallo berichtete uns ebenfalls, dass hier die Frauen die Milch verwalten, da die Männer denken, Frauen seien die besseren Organisatoren.

Besuch aus Burkina Faso

 

Anhand von verschiedenen Bildern zeigte uns Herr Diallo, was sich alles in Burkina Faso verändert hat, seit es die Minimolkereien gibt. Die Frauen erhielten Alphabetisierungskurse, da im Land zwar eine Schul­pflicht existiert, diese aber auf dem Land meistens weder eingehalten noch kontrolliert wird. Bauern werden nun dazu bewegt, weniger Tiere zu halten, damit sie diese dann auch versorgen können. Ihre Tiere sollen aus lokalen Rassen gezüchtet werden. Als wir ein Bild der Kühe sahen, fielen uns sofort Unterschiede zu unseren Kühen auf – größere Hörner, schmale Körper und ein höckerartiger Hubbel auf dem Rücken. Herr Diallo sagte uns, die Kühe leben zwar halb wild, seien aber nicht gefährlich für die Menschen.

 

Als in Europa die Milchquote abgeschafft wurde, war die heimische Milch bald nicht mehr konkurrenzfähig. Da nun der Export von Milch höher wurde und Afrika und Europa ein wirtschaftliches Part­ner­schafts­ab­kom­men vertreten, wurde die nun überschüssige Milch sowie Milchpulver als Nahrungsersatz billig auf den anderen Kontinent exportiert. Dies stellte für die Bevölkerung ein unabsehbares Problem dar, welches Auswirkungen auf ihre Zukunft und vor allem die der Kinder hat. Diese müssen in andere Städte ziehen, um dort zur Schule zu gehen oder Arbeit zu finden, obwohl es dort auch nicht genug für alle gibt. Aus Angst fliehen die Menschen in der Hoffnung nach einem besseren Leben nach Europa.

Nun soll eine einfache Lösung für das Problem mit Bewohnern und Regierung gefunden werden um zu verhindern, dass noch mehr als die schon 3000 geschlossenen Betriebe ihre Existenz aufgeben müssen. Regionale Produkte sollen gut verarbeitet werden und die Bevölkerung soll diese bevorzugt kaufen und konsumieren.

 

Zum Ende seines Vortrags zeigte uns Herr Diallo noch ein Foto des diesjährigen Hungertuches, das jedes Jahr ein aktuelles Problem in Bildform behandelt. Dieses Jahr sieht man zwei identische Menschen die sich gegenüberstehen und die Arme reichen. Das Bild wird durch einen weißen Balken geteilt und ist auf der linken Seite in grünen Tönen und auf der rechten Seite in gelben Tönen gemalt. Es wurde von dem Maler Chidi Kwubiri gemalt, welcher in Deutschland lebt, und es heißt: „Ich bin, weil du da bist!“. Das afrikanische Sprichwort hat die Intention, den Dialog über die Art, wie Menschen einander näherkommen, zu fördern und die Menschen dazu aufzurufen, die Zukunft der Erde gemeinsam zu planen.

Besuch aus Burkina Faso

 

Herr Diallo hat uns allen durch seinen sehr interessanten und abwechslungsreichen Vortrag die aktuelle Fastenaktion nähergebracht und wir konnten viel über Land und Leute sowie die aktuelle Situation in Burkina Faso erfahren.

Lara Biello, Klasse 11b